Skip to content. | Skip to navigation

Sections
Personal tools

Die Pferdegeschirre aus dem Thorsberger Moor (abgeschlossen)

Dr. Nina Lau

Studien zu germanischen Zaumzeugen und Sattelgeschirren als Zeugnisse der militärischen Reiterei im mittel- und nordeuropäischen Barbaricum der jüngeren römischen Kaiserzeit


Die im Januar 2009 abgeschlossene Dissertation behandelt die Funde von Pferdegeschirren aus dem Thorsberger Moor, einem kaiserzeitlichen Kriegsbeuteopferplatz im Kreis Schleswig-Flensburg. Die Dissertation wurde redaktionell überarbeitet und ist 2014 als monographische Publikation in der Schriftenreihe "Das Thorsberger Moor" (Band 1) vorgelegt worden:

Lau 2014: N. Lau, Die Pferdegeschirre – Germanische Zaumzeuge und Sattelgeschirre als Zeugnisse kriegerischer Reiterei im mittel- und nordeuropäischen Barbaricum. Das Thorsberger Moor 1 (Neumünster/Hamburg 2014).

Neue Publikationsreihe "Das Thorsberger Moor"

 

Thorsberg Band 1 Cover

 

Das Thorsberger Moor, ein Kesselmoor am Nordrand des Ortes Süderbrarup, wurde zwischen 1858 und 1861 durch Conrad Engelhardt archäologisch untersucht. Die Grabungsdokumentation ermöglicht durch die Kennzeichnung der Lage eines Teils der 1860 geborgenen Funde eine Identifizierung der heute vorliegenden Fundobjekte und damit eine Zuweisung zu dem jeweiligen Grabungsschnitt. So können Aussagen zu Fundkonzentrationen und bestimmten Systematiken bei der Deponierung herausgestellt werden.

 

Verteilung der Funde des 3. jahrhunderts n. Chr. im Thorsberger Moor

 

Für die Analyse der Thorsberger Pferdegeschirre war der bisherige Forschungsstand zum kaiserzeitlichen Pferdegeschirr nicht ausreichend. Aus diesem Grunde wurden innerhalb eines Exkurses anhand einer Kombinationsanalyse von Einzelbestandteilen von Zügelkettenzaumzeugen vier Zaumzeugtypen (Typ Kirpehnen, Vimose, Illerup und Thorsberg) ausgesondert, die mit ihren insgesamt neun Untergruppen das bisherige Bild kaiserzeitlicher Zaumzeuge erweitern. Hier ergaben sich Neuerungen zur Entstehung und Entwicklung kaiserzeitlicher Pferdegeschirre im Barbaricum, die den bisherigen Forschungsstand erheblich erweitern und modifizieren. Unter dem Fundmaterial des Thorsberger Moores konnten mindestens 18 Pferdegeschirre für die C1b-Niederlegung, verbunden mit neun Sattelgeschirren, identifiziert werden.

 

Zaumzeuggarnituren aus dem Thorsberger Moor

 

Zu der Niederlegung der Stufe C2/C3 zählen neun Zaumzeuge. Es lassen sich Einflüsse aus verschiedenen Kulturräumen belegen. Neben wenigen originalen römischen Elementen vom Pferdegeschirr zeigen auch zahlreiche weitere Objekte, dass sie nach Vorbild römischer Stücke, allerdings nach germanischer Konstruktions- und Herstellungsart, produziert worden sind.

 

 Verbreitung der Pferdegeschirre vom Typ Vimose

 

Weitere Einflüsse auf germanische Pferdegeschirre deuten auf Kontakte zwischen einerseits der sarmatischen und germanischen, aber auch der im pannonischen Raum in reich ausgestatteten Hügelgräbern bestatteten Eliten hin. Es zeigen sich darüber hinaus deutliche Verbindungen von in Thorsberg vorkommenden Bestandteilen vom Pferdegeschirr in den norddanubischen Raum zur Zeit der Markomannenkriege,
die vermutlich in den elbgermanischen und markomannischen bzw. quadischen Beziehungen begründet sind. Bestimmte Trachtelemente sowie wahrscheinlich auch einige der im Bereich der Przeworsk- und Dollkeim-Kovrovo-Kultur üblichen Zaumzeuge scheinen hier modifiziert und weiterentwickelt sowie in das Barbaricum, insbesondere in elbgermanische Siedlungsgebiete, verhandelt worden zu sein. Besonders die Pferdegeschirre in Thorsberg sind geprägt durch zahlreiche Anzeichen, die auf rituelle Zerstörungen im Vorfeld der eigentlichen Deponierung im Gewässer hinweisen und konkrete Vorgänge der Opferungen rekonstruieren lassen. Obwohl schriftliche und bildliche Quellen zu germanischen militärischen Reitern fehlen, können über die Elemente vom Pferdegeschirr sowie Abbildungen auf frühvölkerwanderungszeitlichen Brakteaten und römischen Reitergrabsteinen Hinweise auf Reit- und Kampfweise berittener Krieger gewonnen werden. Die Zaumzeuge aus den Kriegsbeuteopferplätzen belegen verschiedene Konstruktionen, die auf eine unterschiedliche Reit- und Kampfweise, aber darüber hinaus auch verschiedene Funktionen der Reiter im Bereich des germanischen Heeres hindeuten. 

Die reiche Ausstattung der Pferdegeschirre mit Zügelketten zeigt darauf hin an, dass vornehmlich Personen der befehlenden militärischen und darüber hinaus auch gesellschaftlichen Elite beritten waren und direkt am Schlachtgeschehen teilnahmen.
Von 2005 bis 2008 war die Dissertation unter dem Dach des Forschungsprojektes »Zwischen Thorsberg und Bornstein. Historische Archäologie im Landesteil Schleswig als Instrument für Weiterbildung, Forschung und Präsentation« eingebunden in die Förderung des Europäischen Sozialfonds. Daran schloss sich die weitere Bearbeitung des Textes zur Vorbereitung der Publikation an.
Das Thorsberg-Projekt kooperierte mit dem Internationalen Projekt »Jernalderen i Nordeuropa – 400 f. Kr. til 600 e. Kr.«, die Finanzierung des Projektes erfolgte durch das ZBSA, das Archäologische Landesmuseum sowie das Internationale Projekt »Jernalderen i Nordeuropa – 400 f. Kr. til 600 e. Kr.« (Carlsberg-fondet) und das ESF-Projekt »Zwischen Thorsberg und Bornstein. Historische Archäologie im Landesteil Schleswig als Instrument für Weiterbildung, Forschung und Präsentation«. Die Publikation wurde unter anderem mit Mitteln der Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglicht.

 

Weitere Publikationen zu dem Projekt (chronologisch):

A. Abegg-Wigg/R. Blankenfeldt/N. Lau/S. Matešić, Zwischen Thorsberg und Bornstein. In: Archäologie in Schleswig/Arkæologi i Slesvig 11, 2006, 67–80.

N. Lau, Die Pferdegeschirre aus dem Thorsberger Moor - Neue Forschungen zu den Ausrüstungen der germanischen Reiterei. In: Chr. Grünewald/Th. Capelle (Hrsg.), Innere Strukturen von Siedlungen und Gräberfeldern als Spiegel gesellschaftlicher Wirklichkeit? Akten des 57. Internationalen Sachsensymposions vom 26. bis 30.08.2006 in Münster (Münster 2007) 127–135.

N. Lau, Zügelkettenzaumzeuge der jüngeren und späten Römischen Kaiserzeit – Neue Untersuchungen zu Typen, Verbreitung, Herkunft und Datierung. In: A. Abegg-Wigg/A. Rau (Hrsg.), Aktuelle Forschungen zu Kriegsbeuteopfern und Fürstengräbern im Barbaricum. Internationales Kolloquium Schleswig, Juni 2006 (Neumünster 2008) 25–54.

N. Lau, Spuren ritueller Zerstörungen an Pferdegeschirren aus dem Thorsberger Moorfund. Germania-Sarmatia 2008, 210–219.

N. Lau, Studien zum Pferdegeschirr aus dem Thorsberger Moor. Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 14, 2008, 44–47.

A. Abegg-Wigg/R. Blankenfeldt/N. Lau/S. Matešić, Von Verlierern und Gewinnern - Kriegsbeuteopfer aus dem Thorsberger Moor und fürstliche Gräber von Neudorf-Bornstein. Antike Welt 1, 2009, 74–79.

N. Lau, Pferdegeschirr aus dem Thorsberger Moorfund. In: Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH – Museum und Park Kalkriese (Hsrg.), 2000 Jahre Varusschlacht. Konflikt [Kat. Ausstellung Kalkriese 2008/09] (Stuttgart 2009) 153–155.

N. Lau, Harness from the Thorsberg Bogfind – New Evidence regarding Cavalry Equipment of the Roman Iron Age. In: Audrone Bliujiene (Hrsg.), The Horse and Man in European Antiquity (Worldview, Burial Rites, Military and Everyday Life). International Conference October 8-12, 2008, Klaipėda, Lithuania (Klaipėda 2009). Archaeologia Baltica 11, 278–282.

N. Lau, Zum Ritus der Opferung von Kriegsbeute in der jüngeren römischen Kaiserzeit – Spuren ritueller Zerstörungen an Pferdegeschirren aus dem Thorsberger Moorfund. In: A. W. Busch/H.-J. Schalles (Hrsg.), Waffen in Aktion. Akten der 16. Internationalen Roman Military Equipment Conference (ROMEC), Xanten, 13.–16. Juni 2007. Xantener Berichte 16 (Mainz am Rhein 2009) 137–152.

 

R. Blankenfeldt/N. Lau/S. Matešić, Der Fundplatz Thorsberger Moor – Naturräumliche Gegebenheiten, Fund- und Forschungsgeschichte, Archivalien und Fundbestand. In: C. von Carnap-Bornheim (Hrsg.), Fund- und Forschungsgeschichte, naturwissenschaftliche und materialkundliche Untersuchungen. Das Thorsberger Moor 4 (Neumünster/Hamburg 2014).


N. Lau/A. Rau, Stichwort „Kriegsbeuteopfer“. In: H. Beck/D. Geuenich/H. Steuer (Hrsg.), Lexikon Germanische Altertumskunde online (2013).

 

N. Lau, Pferdegeschirre aus skandinavischen Heeresbeuteopfern -  römische und „barbarische“ Komponenten. In: Archäologie zwischen Römern und Barbaren. Zur Datierung und Verbreitung römischer Metallarbeiten des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. im Reich und im Barbaricum. Kolloquium in Frankfurt vom 19.–21.03.2009. Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte (im Druck).

 

N. Lau, Die Pferdegeschirre der jüngeren römischen Kaiserzeit aus Opferungen von Heeresausrüstungen und ihre Verbindungen in den Donauraum. In: Neue Forschungen zu den Markomannenkriegen: Zeitliches und räumliches Umfeld – Ursache, Verlauf, Auswirkungen. 24. Internationales Symposion Grundprobleme der frühgeschichtlichen Entwicklung im mittleren Donauraum, Smolenice, Slowakei (im Druck).