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Fürstengräber und Hallen (abgeschlossen)

— abgelegt unter:

Dr. Oliver Grimm

Eine westnorwegische Oberschicht der Bronze- und Eisenzeit in einer internationalen Betrachtungsweise


Es ist weithin anerkannt, dass in gewissen archäologischen Zeitabschnitten sozial herausragende Gruppen (Oberschichten) in Gräbern und Siedlungen nachzuweisen sind. Was die Bestattungen angeht, so gibt es seit vielen Jahrzehnten eine Diskussion von »Prunkgräbern« – der siedlungsarchäologische Nachweis von Oberschichten ist dagegen erst in den allerletzten Jahrzehnten in Nordeuropa gelungen. Eine offene Frage ist bisher, in welchem zeitlichen Verhältnis Oberschichten in Gräbern und Siedlungen zueinander standen: Fielen Zeitabschnitte maximaler Prachtentfaltung in Gräbern zeitlich zusammen mit besonders herausragenden Gebäuden bzw. Hallen in Siedlungen?

Avaldsnes in Südwestnorwegen. Einst Königssitz. Foto mit freundlicher Genehmigung des Nordvegens Historiesenter (Avaldsnes)Die genannte Fragestellung soll anhand der westnorwegischen Bronze- und Eisenzeit (ca. 2000 v. Chr.–1000 n. Chr.) diskutiert werden. Diese Wahl ist naheliegend, da sowohl für die Prunkgräber als auch die jüngeren Siedlungsgrabungen aussagekräftige Teiluntersuchungen vorliegen, die zusammenfassend betrachtet werden können.

In einem ersten Teil der Untersuchung (Fertigstellung bis Sommer 2010) werden auf rein archäologischer Basis Indikatoren für Oberschichten in Gräbern und Siedlungen zusammengestellt. Im Falle der Gräber geschieht dies anhand der Ermittlung einheitlicher Kriterien für die herausragendsten westnorwegischen Bestattungen, im Falle der Siedlungen geht es um die Feststellung, wann herausragende Höfe bzw. Hallen nachzuweisen sind. Diese erste Teiluntersuchung führt zu dem Ergebnis (vgl. Abb.), dass nur in Teilabschnitten der Bronze- und Eisenzeit solche Oberschichten nachzuweisen sind. Beispielsweise zeigt sich dabei auch, dass Prunkgräber der Spätkaiser- und Völkerwanderungszeit (4.–6. Jh. n. Chr.) zeitlich mit dem erstmaligen Aufkommen von Hallen in Siedlungszusammenhängen zusammenfielen (ab dem 4. Jh. n. Chr.).

Oberschichten in westnorwegischen Gräbern und Siedlungen

In einem zweiten Teil der Untersuchung (Fertigstellung bis Ende 2011) sollen die Ergebnisse des ersten Teils kritisch hinterfragt werden. Zu diesem Zwecke sind archäologische und nicht-archäologische Analogien zu diskutieren, um das vorgelegte norwegische Quellenmaterial besser bewerten zu können. Archäologisch werden dazu aussagekräftige Zeugnisse aus Dänemark und vom Kontinent einbezogen, nicht-archäologisch u. a. Modelle der Geographie (Determinismus/Possibilismus, Zentrale Orte) und Anthropologie / Geschichtswissenschaft (Häuptlings-/ Königsbegriff) berücksichtigt.

Die Arbeit entsteht mit Kooperationspartnern an der Christian-Albrechts-Universität Kiel (Prof. Dr. Ulrich Müller) und dem Archäologischen Museum in Stavanger (Trond Løken M.A.). Die Untersuchung mit einem Umfang von etwa 200 Seiten (Text und Abbildungen) wird in englischer Sprache verfasst.

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