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Nachlass Karl Hauck

— abgelegt unter: ,

Dr. phil. habil. Alexandra Pesch

Der wissenschaftliche Nachlass des international hoch angesehenen Frühmittelalterforschers Karl Hauck (1916–2007) gelangte 2007 in den Besitz von A. Pesch und wird heute im ZBSA aufbewahrt.

Karl Hauck

Karl Hauck zählt zu den innovativsten, produktivsten und einflussreichsten Historikern des 20. Jahrhunderts. Als Professor der Universität Erlangen (1950–1959) und Leiter des von ihm gegründeten, renommierten Instituts für Frühmittelalterforschung an der Universität Münster (1959–1982) beschäftigte er sich mit unterschiedlichen Themenbereichen im Spannungsfeld zwischen germanischem Paganismus und christlichem Europa. Wegweisend waren zahlreiche seiner Arbeiten zur mittelalterlichen Geschichte, zur Bedeutungsforschung und zum Verständnis der germanischen Bildersprache.

                                   Brakteat, Nebenstedt

Besonders im letzten Punkt hatte Karl Hauck sich ein bis dahin nur selten ernsthaft beachtetes Forschungsfeld eröffnet. Seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts war er mit der systematischen Beschreibung, Veröffentlichung und Deutung der völkerwanderungszeitlichen Goldbrakteaten – in beinahe 70 erschienenen Einzelstudien und dem großen Katalog »Die Goldbrakteaten der Völkerwanderungszeit« in sieben Bänden – beschäftigt. Dabei war ihm die Interdisziplinarität stets ein besonderes Anliegen. Beständig und eng arbeitete er mit Forschern anderer Fachrichtungen zusammen, insbesondere mit Archäologen, Runenkundlern, Skandinavisten und Religionswissenschaftlern.

           Skizzenbuch Haucks

Im Nachlass befinden sich vor allem Ordner mit Unterlagen zum Ikonographischen Katalog der Goldbrakteaten, so Dias, Fotos und Zeichnungen. Von Bedeutung ist die umfangreiche wissenschaftliche Korrespondenz mit zahlreichen Fachgelehrten des In- und Auslandes. Außerdem sind Skizzen- bzw. Ideenbücher erhalten, die vorwiegend aus der Zeit stammen, als noch nicht fotokopiert werden konnte. Einige bisher unveröffentlichte Manuskripte und Entwürfe schließlich krönen das Material. Für die Erschließung des gesamten Nachlasses wurde eine Datenbank angelegt, welche nach Stichwörtern den Zugang zur gezielten Auswertung sämtlicher Unterlagen ermöglichen soll.

                   Sparlösastein 1958

Parallel zur Erfassung laufen bereits die ersten Auswertungsvorhaben. Dabei steht die von Hauck in den 50er-Jahren vorangetriebene Erforschung der gotländischen Bildsteine im Vordergrund. Mit Hilfe von damals hochmodernen Latexabzügen gelang es Hauck, auf den Bildsteinen feine Linien sichtbar zu machen. Sie stammen teilweise von Vorritzungen im noch weichen Stein, anhand derer später die Motive herausgemeißelt wurden, teilweise vielleicht auch von nicht realisierten bzw. übermalten Skizzen, und wieder andere dienten als Hilfslinien der farbigen Ausmalung von Flächen. Auch bisher unbeobachtete, größere Bildelemente glaubte Hauck identifizieren zu können. Leider ließen sich die nur im wechselnden Licht erkennbaren Befunde eines Steines nicht alle gleichzeitig fotografisch festhalten und auf diese Weise objektiv darstellen. Daher hat Hauck seine Erkenntnisse nur ansatzweise publiziert, dann aber das gesamte Projekt aufgegeben. Inzwischen sind auch die Latexabzüge verlorengegangen. Nur noch anhand von Dias aus dem Nachlass sind viele der identifizierten Bilddetails zu rekonstruieren.

Bildstein Store Hammars I

Doch mit ihnen erscheinen viele Bildsteine in einem völlig veränderten Licht. Dieses Phänomen wird jetzt in einem Kooperationsprojekt von Dr. Sigmund Oehrl (http://www.sigmundoehrl.de/projekte/) untersucht. Der weitgehend unbekannte Detailreichtum der Bildsteine wird mit modernen Methoden (Computerabtastung) überprüft und mit den Beobachtungen Haucks korreliert.

Im Rahmen der Nachlassbearbeitung wird auch die erneute Publikation vieler Schriften Haucks sowie auch die Herausgabe von teilweise bisher unveröffentlichten Schriften angestrebt. Dies geschieht insbesondere in Kooperation mit Prof. Dr. Wilhelm Heizmann (München) und Dr. Morten Axboe (Kopenhagen). 

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