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Birka’s Harbour in Excavation and Surveys

Dr. Sven Kalmring

Feodor Lynen-Forschungsstipendium der Humboldt-Stiftung (2011-2012)

Birka 1Das auf einer Insel im Mälarseegebiet gelegene Birka, Adelsö socken, Eckerö kommun, zählt neben Haithabu zu den wenigen großen protourbanen Zentren und Knotenpunkten im Fernhandelsnetz der Wikingerzeit. Die beiden Plätze ähneln sich nicht nur in ihrer Größe und verschiedeBirka 2nen strukturellen Details wie z. B. ihren Befestigungsanlagen, sondern auch durch historisch überlieferte Gemeinsamkeiten wie die Missionierung und Kirchengründung durch den heiligen Ansgar oder die Verwaltung der vici durch einen vom König vor Ort eingesetzten Vertreter. Auf die diversen Verbindungen zwischen den beiden Seehandelsplätzen haben verschiedene Forscher wie u.a. der schwedische Archäologe Sune Lindqvist in seinem 1926 in »Fornvännen« publizierten Artikel »Hedeby och Birka« bereits früh aufmerksam gemacht. Die im Rahmen einer Dissertation vorgelegte Studie zum wikingerzeitlichen Hafen von Haithabu, welcher als einer der archäologisch besterforschten Häfen in Nord- und Mitteleuropa gelten darf, bildet einen wichtigen Ausgangspunkt für die Untersuchungen zum Hafen von Birka.
Der Handelsplatz von Birka (8. bis letztes Viertel 10. Jh.) befindet sich auf der Insel Björkö etwa 30 km westlich von Stockholm. Anders als heute war des Mälarseegebiet zur Wikingerzeit eine noch ausgedehnte Ostseebucht, die erst im 10. Jahrhundert durch die postglaziale Landhebung allmählich von der Ostsee getrennt wurde. Gelegen am Knotenpunkt der zwei wichtigsten Segelrouten in Zentralschweden befand sich die frühe Stadt in einer für den Fernhandel strategisch äußerst günstigen Lage. Zum einen kreuzte hier eine Ost-West gerichtet Verkehrsachse, die vom Landesinneren in Richtung Ostsee verlief. Birka bildete auf dieser Route einen wichtigen Umlande- und Stapelplatz von Handelswaren wie Eisen oder Holz, die auf dem Landwege im Winter per Schlitten aus Zentralschweden hierher transportiert wurden und dann im Sommerhalbjahr weiter verschifft werden sollten. Die zweite Verkehrsachse war der sogenannte Fyrisleden. Dieser führte von der Ostsee im Süden über den Sund bei Södertälje in den Mälarsee und über Birka weiter in Richtung Sigtuna, Gamla Uppsala und Vendel im Norden des Mälartals.
Bei der von B. Ambrosiani und B. Arrhenius in den Jahren 1969–1971 durchgeführten Ausgrabung im heute durch die anhaltende Regression und dramatisch sinkende Wasserstände heute landfesten Hafengebiet von Birka eine Landebrücke dokumentiert. Ziel der Ausgrabung im Bereich des Siedlungsareals Svarta jorden („die schwarze Erde“) war die Bestimmung der wikingerzeitlichen Uferlinie und die Untersuchung des möglichen Hafenareals. Eine der beiden Steinpflaster wurde ergraben und stellte sich als landwärtige zweilagige Fundamentierung einer Landebrücke heraus. Es war im feuchten Uferbereich sowie im Bereich einer Sandbank, die sich um eine Uferbefestigung aus Rundhölzern gebildet hatte, errichtet worden und diente vermutlich der Verstärkung einer hölzernen Landebrücke. Über das aus der Grabung stammende stratifizierte Fundmaterial wird die dokumentierte Schichtenfolge von der Mitte des 9. Jahrhunderts bis in die Schlussphase Birkas um 970 datiert; die Landebrücke („späteste Landebrücke“) selbst wird in die Zeit 930–950 eingeordnet.

Birka 3
Unter der Landebrücke aus dem 10. Jahrhundert fanden sich Hinweise auf eine ältere, ebenso konstruierte Landebrücke, die in eine Schicht des 9. Jahrhunderts eingebettet war („untere Landebrücke“). In der 1990–1995 oberhalb der Fläche von 1969–1971 durchgeführten Grabung ragte aus der östlichen Profilwand der Grabungsfläche des Jahres 1990 eine Lage von bis zu 0,8 m mächtigen Steinen, die als die Stirnseite einer weiteren Landebrücke interpretiert wurde („früheste Landebrücke“). Sie befand sich in einer Höhe von etwa 6,10 m–6,30 über dem Meeresspiegel.
Als weitere Hafenbecken stehen in der Diskussion Kugghamn, Korshamn und Salviksgropen. Weitere, bislang noch ununtersuchte Steinfundamente zweier Landebrücken befinden sich abseits des Handelshafens unterhalb der Garnison. Im Süden der Insel Björkö wird bei Charlottenlund ein Bootshaus vom Typ naust vermutet. Seit 1970 werden im Bereich vor der Svarta jorden zudem in regelmäßigen Abständen Tauchaktionen durchgeführt, die dazu dienen den unter Wasser verliebenden Teil des Hafenbeckens zu erforschen. Verschiedene Bohrkerne aus den im Jahre 1990/91 durchgeführten Kernbohrungen geben zudem Aufschluss über den Aufbau des Hafenbeckens; eine 2007 an Land durchgeführte, bislang unpublizierte geomagnetische Prospektion birgt weiter wichtige Hinweise.
Die Verleihung des Feodor Lynen-Foschungsstipendiums für Postdoktoranden der Alexander von Humboldt-Stiftung am 3. November 2010 ermöglicht es nun, seit Februar 2011 einen zweijährigen Aufenthalt am Arkeologiska Forskningslaboratoriet der Universität Stockholm wahrzunehmen, um sich vor Ort dem Forschungsprojekt »Birka’s Harbour in Excavations and Surveys« zu widmen. Ziel des Forschungsprojektes ist es, in enger Kooperation mit den schwedischen Kollegen am Arkeologiska forskningslaboratoriet (AFL), Statens Historiska museet (SHM), Riksantivarieämbetet (RAÄ), Sjöhistoriska museet und dem Maritime Archaeological Research Institute (MARIS) an Södertörns högskolan erstmals sämtliche den Hafen von Birka betreffenden Informationen aus Ausgrabungen und Prospektionen zusammenzutragen und vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus Haithabu in ihrer Gesamtschau zu interpretieren. Dabei stellt der Komplex Hafen nicht nur einen spezifischen Teilaspekt des protourbanen Zentrums Birka dar, sondern liefert als das wirtschaftliche Rückrad des Seehandelsplatzes darüber hinaus einen entscheidenden Beitrag zum Gesamtverständnis der frühen Stadt.

 

Birka’s Black Earth Harbour – The New Field Campaign


In late summer 2014 a re-excavation of Birka’s Svarta jordens hamnområde from 1970/71 as well as an extension of the trial trench trough „the harbour’s waste zone“ from 1969 in front of the jetties was aspired. Aim was at one hand to get a better understanding of the wooden continuation of the so-far known stenkistor – wooden boxes filled with stones placed on the former shoreline –, on the other to make a connection to the ongoing underwater surveys from the Sjöhistoriska museet by expanding the old trial trench by another 13 meters (cf. Jahresbericht 2013). While the permission from Riksantikvarieämbetet was granted an authorization from Länsstyrelsen is still due. Currently the new field campaign is contemplated for 2015.
    In preparation of the upcoming field campaign a two-day geophysical survey in cooperation with Andreas Viberg from the Arkeologiska forskningslaboratoriet at Stockholms universitet was conducted in November 2014. By terms of a georadar survey in front of the stone boxes from 1970/71 down to the current shoreline with an extremely dense profile grid a total area of c. 20 x 40 meters could become covered. Aim was to record at least of one harbour facility in its total extent by means of post and postholes preserved in the “blue clay” (marine gyttja?) underneath the cultural layer strata. 

Birka Profile jpg

Contemporaneously the preparations within the Birka Town GIS were continued by the digitalisation of the (hitherto unpublished) excavation documentation from 1969 as well as the profile drawings from 1970/71 figured in the RAÄ-rapport “Svarta jordens hamnområde”. The documentation was transferred into a coherent 3D-model and now offers for the first time a unique overall view which will be particularly valuable for future surveys and analysis.

Birka_stone jetty with post

Most recently in April/May 2015 the excavations were conducted in Birka's Black Earth Harbour. The daily outcomes were communicated in the facebook-blog "Birkas Black Earth Harbour 2015". Next to the encounter of a jetty post in the blue clay a Birka-drageons head was beyond doubt one of the excavations highligts. 

Birka_dragons head


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