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Das frühvölkerwanderungszeitliche Kammergrab von Poprad, Slowakei – Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Auswertung eines außergewöhnlichen Fundes

Projektleitung: Dr. Nina Lau

Das im Jahr 2006 ausgegrabene Kammergrab von Poprad-Matejovce in der Nordostslowakei wurde in einem internationalen Forschungsprojekt am ZBSA, vom 2012 bis 2015 gefördert durch die DFG, in enger Zusammenarbeit mit der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Nitra untersucht.

 

Porad Übersichtsbild

Das Grab während der Ausgrabung 2006

 

Die digitale Rekonstruktion und Analyse von Grabkammern, Mobiliar und der Ausstattung in GIS und 3D-Software sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verschiedenen naturwissenschaftlichen Analyseverfahren (u. a. Dendrochronologie, C14-Datierung, Strontiumisotopenanalysen, verschiedene Verfahren zur Analyse von Textilien, aDNA, pathologische und anthropologische Analysen) in Verbindung mit archäologischen Untersuchungen der Grabkonstruktion und der Grabausstattung stellen eine zeitgemäße, detaillierte Aufarbeitung des Befundes im Rahmen des Forschungsprojektes dar.

Das Grab stammt aus der frühen Völkerwanderungszeit und stellt mit den beiden vollständig erhaltenen Grabkammern und dem Mobiliar einen singulären Grabfund dieser Zeit im mitteleuropäischen Barbaricum dar. Das Grab wurde wahrscheinlich nur wenige Jahrzehnte nach der Bestattung beraubt. Dabei lässt sich durch die genaue Analyse der Fundlage und der Verlagerungen von Objekten die Vorgehensweise bei der Beraubung schrittweise nachvollziehen.

Durch die Beraubung sind neben Keramikgefäßen nur wenige Beigaben und Teile der Tracht erhalten. Von fast größerer Bedeutung sind jedoch die hervorragend erhaltenen Objekte wie hölzernes Mobiliar, Textilien und Leder. Teile des Grabes wurden im Block entnommen und von 2008 bis 2015 unter Laborbedingungen ausgegraben. Die dabei gefundenen Textilien und Lederobjekte zeigen eine Materialgruppe, wie sie in solcher Qualität nur selten zutage tritt.

 

Freilegung und Dokumentation der Funde

Das Grab während der Ausgrabung

Mit der Freilegung sind verschiedene naturwissenschaftliche Analysen verbunden wie Strontiumisotopenanalysen, Analysen von Aminosäuren und Farbresten von Textilien, die Materialbestimmungen mittels Rasterelektronenmikroskop sowie C14-Datierungen. Die C14-Datierungen dienen auch in Kombination mit dendrochronologischen Analysen der Hölzer (der beiden Grabkammern) zur naturwissenschaftlichen Datierung des Grabes. So ist nicht nur der genaue Bestattungszeitpunkt zu bestimmen: weitere Fragen stellen sich nach der Datierung des Kammerbaus, dem Alter der Beigaben, dem Zeitpunkt der Wiederöffnung des Grabes. Erst dann kann ein genaues chronologisches Bild des Grabes mit allen verbundenen Vorgängen erstellt werden.

 

3D Ansichten einer Wandtafel

 3D-gescannte Wandplatten der inneren Grabkammer

 

Situation Kammerinneres

Lage der Fundobjekte im Grab

 

Fundlage Südteil

Beigaben und Mobiliar im Südteil der äußeren Kammer

 

Die 3,95 m x 2,70 m große Außenkammer wurde in Blockbautechnik mit Flachdach in Nord-Südausrichtung konstruiert, während die innere, sarkophagähnliche Kammer mit Giebeldach in einer gänzlich anderen Konstruktion aufgebaut wurde. Sie hatte eine Länge von 2,90 m und eine Breite von 1,70 m war in Blockständerbautechnik konstruiert. Besonders hervorzuheben sind jedoch die hervorragend erhaltenen Bestandteile hölzernen Mobiliars. So fand sich ehemals in der inneren Grabkammer aufgestellt ein gedrechselter runder Tisch bzw. ein Becken aus Pappelholz mit einem Durchmesser von 92 cm. Zahlreiche weitere hölzerne Objekte gehören zu einer sorgfältig gedrechselten, hölzernen Totenliege von 2 m Länge, gefertigt aus Eibe. Verschiedene Analysen des Skelettmaterials ergaben, dass es sich bei dem Toten um unter 20jährigen Mann handelt, der lokaler Herkunft und außerordentlich gut ernährt war. Die aufwändige Konstruktion der beiden Grabkammern, die erhaltenen, teilweise kostbaren Grabbeigaben und die Gold belegten Textilien sowie die sorgfältig hergestellten Möbel belegen einen herausragenden, elitären Status des Bestatteten, der kulturell mit der Nordkarpathischen Gruppe in Zusammenhang gebracht werden kann.

 

Laborausgrabung

Ausgrabung einer Blockbergung im Labor


 

 

Projektteam

Das Projektteam 2012 

 

 

Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt werden derzeit für die mehrbändige monographische Publikation vorbereitet.


Bisherige Publikationen zum Grab von Poprad:

2007

T. Belanová/K. Pieta, Discovery of a Unique Chamber Tomb in Poprad-Matejovce (Slovakia). Archaeological Textile Newsletter 44, 2007, 18–20.

 

2009

K. Pieta, Das germanische Fürstengrab aus Poprad-Matejovce. In: U. von Freeden/H. Friesinger/E. Wamers (Hrsg.), Glaube, Kult und Herrschaft. Phänomene des Religiösen im 1. Jahrtausend n. Chr. in Mittel- und Nordeuropa. Akten des 59. Internat. Sachsensymposions und der Grundprobleme der frühgeschichtlichen Entwicklung im Mitteldonauraum. Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte 12 (Bonn 2009) 107–122.

T. Štolcová/G. Zink/K. Pieta, Textiles from the Chieftain Grave in Poprad-Matejovce. Report on the First Stage of Laboratory Examination. Arch. Korrbl. 39/2, 2009, 263–277.

 

2013

N. Lau, Das Grab von Poprad-Matejovce in der Slowakei – Ein Blockhaus mit Inneneinrichtung aus der frühen Völkerwanderungszeit. Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 19, 2013, 16–19.

T. Štolcová/N. Lau, Das spätantike Kammergrab von Poprad-Matejovce – Repräsentation von Status und Luxus im Tode. In: M. Tellenbach/R. Schulz/A. Wieczorek (Hrsg.), Die Macht der Toga. Dresscode im römischen Weltreich [Begleitband zur Ausstellung »Die Macht der Toga – Mode im römischen Weltreich« im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim vom 20.04. bis zum 08.09.2013](Regensburg 2013).

T. Štolcová/G. Zink, Early Migration Period Textile and Leather Finds from the Chieftain’s Grave in Poprad-Matejovce: Discovery, Retrieval and New Results of the Laboratory Examination. In J. Banck-Burgess/C. Nübold (Hrsg.), The North European Symposium for Archaeological Textiles XI (Rahden/Westf. 2013) 85–92.

 

2014

N. Lau/K. Pieta, Das Grab von Poprad-Matejovce in der Slowakei –Anlage, Konstruktion und Ausstattung eines frühvölkerwanderungszeitlichen Kammergrabes. In: A. Abegg-Wigg/N. Lau (Hrsg.), Kammergräber im Barbaricum – Zu Einflüssen und Übergangsphänomenen von der vorrömischen Eisenzeit bis in die Völkerwanderungszeit. Internationale Tagung, Schleswig, 25.–27. November 2010. Schr. Arch. Landesmus. Ergr. 9 (Neumünster/Hamburg 2014) 343–364.

T. Štolcová/D. Schaarschmidt/S. Mitschke, Preliminary report on textile finds from the chieftain’s grave in Poprad-Matejovce (Poster Nesat-Tagung Hallstatt 2014).

T. Štolcová/D. Schaarchmidt/S. Mitschke, Textile Finds from a Chieftain´s Grave Preliminary Report from Poprad-Matejovce, Slovakia. Archaeological Textiles Review 56, 2014, 50-59.

 

2015

D. Schaarschmidt/T. Štolcová/S. Mitschke, Poprad-Matejovce, Slowakei: Textilfunde aus einem frühvölkerwanderungszeitlichen Fürstengrab – Ein Zwischenbericht. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 35, 2015, H. 4, 199-204.

T. Štolcová, Unique Early Migration Leather Finds from Poprad-Matejovce, Slovakia. Archaeological Leather Group Newsletter 5-8, 2015, 5-8.

2017

N. Lau, Überlegungen zur gedrechselten Totenliege aus dem frühvölkerwanderungszeitlichen Grab von Poprad-Matejovce. In: B. V. Eriksen/A. Abegg-Wigg/R. Bleile/U. Ickerodt (Hrsg.), Interaktion ohne Grenzen. Beispiele archäologischer Forschungen am Beginn des 21. Jahrhunderts,  Band 1 . Festschr. C. von Carnap-Bornheim (Schleswig 2017) 457-466.

N. Lau/K. Pieta, Die antike Öffnung des Kammergrabes von Poprad-Matejovce. In: Na Hranicích a Impéria. Extra Fines Imperii. Festschrift J. Tejral (Brno 2017) 255-265.

 

2018

P. de Barros Damgaard/N. Marchi/S. Rasmussen/M. Peyrot/G. Renaud/Th. Korneliussen/J. V. Moreno-Mayar/M. Winther Pedersen/A. Goldberg/E. Usmanova/N. Baimukhanov/V. Loman/L. Hedeager/A. Gorm Pedersen/K. Nielsen/G. Afanasiev/K. Akmatov/A. Aldashev/A. Alpaslan/G. Baimbetov/V. I. Bazaliiskii/A. Beisenov/B. Boldbaatar/B. Boldgiv/Ch. Dorzhu/St. Ellingvag/D. Erdenebaatar/R. Dajani/E. Dmitriev/V. Evdokimov/K. M. Frei/A. Gromov/A. Goryachev/H. Hakonarson/T. Hegay/Z. Khachatryan/R. Khaskhanov/E. Kitov/A. Kolbina/T. Kubatbek/A. Kukushkin/I. Kukushkin/N. Lau/A. Margaryan/I. Merkyte/I. V. Mertz/V. K. Mertz/E. Mijiddorj/V. Moiyesev/G. Mukhtarova/B. Nurmukhanbetov/Z. Orozbekova/I. Panyushkina/K. Pieta/V. Smrčka/I. Shevnina/A. Logvin/K.-G. Sjögren/T. Štolcová/K. Tashbaeva/A. Tkachev/T. Tulegenov/D. Voyakin/L. Yepiskoposyan/S. Undrakhbold/V. Varfolomeev/A. Weber/N. Kradin/M. E. Allentoft/L. Orlando/R. Nielsen/M. Sikora/E. Heyer/K. Kristiansen/E. Willerslev, 137 ancient human genomes from across the Eurasian steppes. Nature 557, issue 7705, 2018, 369–374. doi:10.1038/s41586-018-0094-2

T. C. Jones/B. Mühlemann/P. de Barros Damgaard/M. E. Allentoft/I. Shevnina/A. Logvin/E. Usmanova/I. P. Panyushkina/B. Boldgiv/T. Bazartseren/K. Tashbaeva/V. Merz/N. Lau/V. Smrčka/D. Voyakin/E. Kitov/A. Epimakhov/D. Pokutta/M. Vicze/T. D. Price/V. Moiseyev/A. J. Hansen/L. Orlando/S. Rasmussen/M. Sikora/L. Vinner, A. D. M. E. Osterhaus, D. J. Smith, D. Glebe, R. A. M. Fouchier, Chr. Drosten, K.-G. Sjögren, K. Kristiansen, E. Willerslev, Ancient Hepatitis B viruses from the Bronze Age to the Medieval. Nature 557, issue 7705, 2018, 418-423. doi:10.1038/s41586-018-0097-z

 

In Vorbereitung

Monoghraphische Vorlage des Grabes von Poprad-Matejovce in vier Bänden.

 

Dänisches Nationalmuseum Christian-Albrechts-Universität Landesamt für Denkmalpflege Niedersachsen Royal Institute for Cultural Heritage Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim Deutsches Ledermuseum / Schuhmuseum Arbeitsgruppe Paläopathologie der Universitätsmedizin Göttingen Archäologisches Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften Comenius Universität Podtatranské Múzeum Ungarische Akademie der Wissenschaften Archäologisches Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik

Publications

Document Actions
In Cooperation with

► Zum Projekt Poprad Matejovce: Laboratory research of in situ blocks with organic materials from the Early Migration Period chieftain’s grave

von Dr. T. Stolcova

 

Weitere ZBSA-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

 

Karin Göbel (GIS), John Meadows (C14), Jörg Nowotny (3D), Ulrich Schmölcke (archäozoologische Analysen, Entomologie); Isabel Sonnenschein (Redaktion); Jürgen Schüller (Grafik)

 

Liste der kooperierenden Institutionen und Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter:

Archäologische Analyse, Organisation, Auswertung und Publikation: Karol Pieta (Archäologisches Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften Nitra (SAV))

Holzkonservierung: Joachim Schultze, Wolfgang Schröder (MfA)

Dendrochronologie: Peter Barta (Dendrochronological laboratory Bratislava)

Strontiumisotopenanalysen: Karin Margarita Frei (Nationalmuseum Kopenhagen)

Anthropologische Analysen: Július Jakab (Archäologisches Institut der Slowakische Akademie der Wissenschaften Nitra (SAV))

DNA Analysen: Morten Allentoft u. Peter de Basso Damgaard, Centre for GeoGenetics, Kopenhagen

Rasterelektronenmikroskopie: Sylvia Mitschke (Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, Mannheim)

Farb- und Farbstoffanalysen, Aminosäureanalysen: Ina Vanden Berghe (IRPA/KIK: Royal Institute of Cultural Heritage Brüssel)

Archäobotanik:Maria Hajnalová (Comenius Universitäöt Bratislava) und Jana Mihályiová (Archäologisches Institut der Slowakische Akademie der Wissenschaften Nitra (SAV))

Ausgrabungen der Blockbergungen: Archäologisches Landesamt Hannover (Stellen der Räumlichkeiten und der Infrastruktur des Labors für Dorte Schaarschmidt)

Analyse der stabilen Isotopen 13c und 15n (u. a. der Ernährungsgrundlagen des Mannes aus Poprad): Miriam Fišáková-Nývltová (Institute of Archaeology Brno); Analysen durchgeführt am Centre of Applied Isotope Studies, University of Georgia, USA

 Analyse Leder und Textilien: Tereza Štolcová (Bratislava)

 Ausstellung und Präsentation der Funde: Podtatranské múzeum in Poprad (Direktorin Magdaléna Bekessová)

 

 

Funded by

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)