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Zur phylogenetischen Distanz zwischen frühmittelalterlichen Schafen und überlebenden alten Landrassen im Ostseeraum

Dr. Elena A. Nikulina

Haustiere stellten im ersten nachchristlichen Jahrtausend die mit Abstand wichtigste Lebensgrundlage für die im Ostseeraum lebenden Wikinger und Slawen dar, und insbesondere in küstennahen Landstrichen, in denen sich auch die meisten bedeutenden Handelsplätze und ersten Frühstädte befanden, kam dabei dem Schaf eine besondere Bedeutung zu. In diesem Projekt sollen mittels genetischer und archäogenetischer Methoden verschiedene Aspekte frühmittelalterlicher Schafhaltung untersucht werden.

Wesentlicher Schwerpunkt sind umfassende archäogenetische Analysen frühmittelalterlicher Schafe. Sie dienen dazu, Informationen über die Variabilität der Tiere eines örtlichen Bestandes zu erlangen. Zur Identifikation möglicher Linien, die regional oder ethnisch charakteristisch sind, werden dabei sowohl Plätze von lediglich lokaler Bedeutung für die im Umland lebenden Wikinger oder Slawen, als auch überregional bedeutsame Handelsplätze in die Untersuchung einbezogen. Auf dieser Grundlage ist es möglich, auf Verwandtschafts- und Austauschbeziehungen rückzuschließen.

Fundplätze, von denen am ZBSA Schafreste archäogenetisch untersucht werden.

Ein wichtiger Teil dieses Projektes sind Schafknochen und -zähne aus Fundorten von den Färöer Inseln, Island und Grönland. Diese Areale wurden von den Wikingern im Zuge ihrer Expansion besiedelt, wobei außer Menschen und Material auch Tiere mitgebracht wurden. Durch Zusammenarbeit mit dem Hunter Zooarchaeology Laboratory der City University New York konnten am ZBSA 74 Funde von sechs Siedlungen beprobt werden: Oddstaðir, Gásir und Skuggi auf Island, Brattahlið und Tatsip Ataa auf Grönland sowie aus Undir Junkarinsfløtti auf den Färöer Inseln.

Während die Zähne aus Island und von den Färöer Inseln gut erhalten sind, weisen die grönländischen Knochen starke Verwitterungsspuren auf, und dies schlägt sich in der aDNA-Erhaltung nieder: Während aus 100 % der isländischen und färöischen Zähne alte DNA amplifiziert werden konnte, betrug die Erfolgsquote bei den grönländischen Zähnen nur 64 %.

Beprobter Schafzahn.

Im Vergleich zu vielen zeitgleichen Siedlungen im skandinavisch-baltischen Raum, besonders aber an der Nordseeküste, ist die genetische Diversität der wikingerzeitlichen Schafe auf den nordatlantischen Inseln gering. Dies dürfte auf Bottelneck-Effekte während der schrittweisen Expansion von Skandinavien auf die Färöer Inseln, dann nach Island und von dort letztlich nach Grönland zurückzuführen sein. Hinzu kommt die genetische Drift, die in Inselpopulationen stets ein wesentlicher Faktor ist.

Bislang sind weder statistisch signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Inselpopulationen noch geographische Muster in der Verteilung der Haplotypen aufgetreten. Dies könnte auf eine gemeinsame Ursprungspopulation das geringe Alter der untersuchten Bestände zurückzuführen sein. Für abschließende Bewertungen ist die Zahl der untersuchten Funde besonders im Fall von Grönland derzeit noch zu klein.

Artikelaktionen
In Kooperation mit

Nordatlantische Schafe

Prof. Thomas McGovern, Hunter Zooarchaeology Laboratory der City University New York

Dr. Ramona Harrison, Hunter Zooarchaeology Laboratory der City University New York

Dr. Seth D. Brewington, Hunter Zooarchaeology Laboratory der City University New York

Dr. Konrad Śmiarowski, Hunter Zooarchaeology Laboratory der City University New York

Weitere frühmittelalterliche Fundplätze

Prof. Dr. Linas Daugnora und Prof. Dr Algirdas Girininkas, Klaipėdos universitetas, Baltijos regiono istorijos ir archeologijos institutas, LIT

Dr. Andres Dobat, Moesgård Museum, DK

Prof. Dr. Hauke Jöns und Dr. Annette Siegmüller, Niedersächsisches Institut für Küstenforschung, D

Dr. Susanne Klingenberg, Nationalmuseet København, DK

Prof. Dr. Kerstin Lidén und Dr. Jan Storå, Stockholms universitet, SWE

Dr. Nadezhda Nedomolkina, Вологодский государственный музей, RUS

Prof. Dr. Wietske Prummel, ehem. Rijksuniversitet Groningen, NL

Dr. Erich Pucher, Naturhistorisches Museum Wie, AUT

Dr. Ingrid Ulbricht, Archäologisches Landesmuseum Schleswig-Holstein, D

Prof. Dr. Andrei V. Zinoviev, Тверской государственный университет, RUS

Rezente Schafrassen

PD Dr. Dr. Kai Frölich, Tierpark Arche Warder e. V.