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Dendrochronologische Untersuchungen an Hölzern der Grabung Schleswig, Hafengang 11 (LA 153) (abgeschlossen)

— abgelegt unter:

Dr. Thorsten Westphal

Nach der Zeichnung, Dokumentation und Beschriftung der Hölzer aus der Grabung Schleswig, Hafengang 11, unter der Leitung von Dr. Joachim Schultze (ALM) wurde von April bis Dezember 2009 deren Beprobung durch die Entnahme von Scheiben durchgeführt. Diese wurden in das Dendrochronologische Labor Frankfurt am Main zur Altersbestimmung verbracht. Es handelte sich ausnahmslos um Proben von Bauhölzern, welche aus verschiedenen Befunden stammen. Neben radialen Spalthölzern (im Wesentlichen Bohlen und Bretter) liegen tangential gesägte bzw. gespaltene Bretter, Rundhölzer (u.a. Pfähle) sowie aus Voll- oder Halbholz gefertigte massive Kanthölzer vor. Der Erhaltungszustand der Holzproben war in der Regel gut, nur in wenigen Fällen war aufgrund des zu starken Abbaugrades eine Jahrringanalyse nicht mehr möglich.

 

Grabung Schleswig Hafengang © ALSH


An den Hölzern wurden folgende Untersuchungen, deren Schwerpunkt auf der Altersbestimmung lag, durchgeführt:

  1. holzanatomische Bestimmung unter Zuhilfenahme einer Stereolupe (Vergrößerung: 3,6–40fach) und eines Durchlichtmikroskops (Vergrößerung: max. 400fach)
  2. Jahrringanalyse:
    • Präparation der Messstrecken
    • Messung der Jahrringbreiten (Genauigkeit: 1/100 mm)
    • Vergleich und Synchronisation der grafisch als Kurven dargestellten Messreihen visuell und statistisch unter Zuhilfenahme spezieller Korrelationsprogramme
    • Dokumentation der Hölzer nach dendrologischen Gesichtspunkten (Anzahl der Jahrringe, Mark, Splint, Waldkante)
  3. Aufnahme der Parameter in eine Datenbank
  4. Fotografische Dokumentation der Holzquerschnitte

Im Jahr 2009 wurden 145 Holzproben untersucht. Als Holzarten konnten Eiche (Quercus sp., 141), Erle (Alnus sp., 1), Esche (Fraxinus sp., 2) und Kiefer (Pinus sp., 1) bestimmt werden. Eiche ist mit 97,24% das am häufigsten genutzte Bauholz. Es kommen die Arten Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea) sowie verschiedene Hybriden in Betracht, welche holzanatomisch nicht eindeutig zu unterscheiden sind. Ihre technologischen Eigenschaften sind aber sehr ähnlich. Eichenholz ist sehr hart, tragfähig, fest, elastisch und von außerordentlicher Dauer sowohl im feuchten als auch im trockenen Zustand. Es wurde als Bauholz zu allen Zeiten bevorzugt.
Von den 141 dendrochronologisch gemessenen Hölzern stammen 139 von Eichen sowie je eins von Esche und Kiefer. Die Auswahl orientierte sich an der Anzahl von Jahrringen. Alle Proben mit mehr als 15 Ringen wurden analysiert, es sei denn, sie waren zu schlecht erhalten bzw. so unregelmäßig gewachsen, dass eine ausreichend lange zusammenhängende bzw. eine durch Verzerrungen unbeeinträchtigte Jahrringfolge nicht mehr ermittelt werden konnte.
61% der gemessenen Holzproben wiesen weniger als 100 Jahrringe auf. Dazu gehört die gemessene Esche mit lediglich 32 Ringen, welche sich weder mit den objektgleichen Eichen noch mit den Eschenchronologien für Mecklenburg synchronisieren ließ. Ebenso erbrachte die gemessene Kiefernprobe mit 86 Ringen keine eindeutige Deckungslage mit den entsprechenden Vergleichskurven.
Die Jahrringsequenzen von 90 Eichenproben konnten synchronisiert werden. Unter ihnen ließen sich acht Hölzer aufgrund ihrer Ähnlichkeiten bzw. Korrelationen untereinander zu einer Gruppe (Nr. 2)
zusammenfassen, welche jedoch bislang nicht absolut datiert werden konnte. Für die übrigen 82 synchronisierbaren Proben wurden absolute Altersbestimmungen erzielt. Sämtliche Waldkantendaten liegen zwischen 1085 bis 1100. Es handelt sich hier also um Bauaktivitäten des ausgehenden 11. Jahrhunderts.
Innerhalb dieser Serie von 82 datierbaren Hölzern ließen sich aus insgesamt 76 Proben aufgrund ihrer hohen Ähnlichkeiten untereinander sechs weitere Gruppierungen (Nr. 1, 2–6) erarbeiten, während sechs Hölzer keiner dieser Gruppen zuzuordnen waren. Die einzelnen Gruppen zeigen z.T. sehr hohe Übereinstimmungen mit Referenzreihen angrenzender Gebiete auf. So lassen die Gruppen 1 und 4 starke Affinitäten zu dänischen Reihen sowie die Gruppen 5 bis 7 vorwiegend zu (West-) Mecklenburger Vergleichsreihen erkennen, während die Gruppe 3 eine hohe Ähnlichkeit mit Chronologien aus dem Kölner Raum offenbart. Untereinander zeigen sie jedoch nur mäßige Korrelationen. Die Gründe hierfür könnten im Vorhandensein von importierten Hölzern liegen, hauptsächlich werden sie nach dem bisherigen Stand der Untersuchungen jedoch in starken standörtlichen Differenzierungen zu suchen sein. Die Analysen weiterer Hölzer aus dieser Grabung im Jahr 2010 sollen neben der Erhöhung der Datierungsquote dazu beitragen, auch derartige Fragenstellungen ausführlicher zu beleuchten.

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