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Eine urgeschichtliche Hockerbestattung in Friedland, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Mecklenburg-Vorpommern (abgeschlossen)

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Dr. Harald Lübke

Im Herbst 2010 wurde bei der Ausgrabung der altslawischen Siedlung Friedland Fpl. 25, Altkreis Mecklenburg-Strelitz, unter Leitung von B. Schmidt eine Hockerbestattung angetroffen. Der Fundplatz befindet sich am östlichen Rand der Datze-Niederung nördlich der Stadt Friedland, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Mecklenburg-Vorpommern. Während die Beine des Bestatteten leicht angewickelt zur rechten Seite geneigt waren, befand sich der Oberkörper in beinahe aufrecht sitzender Position. Trotz fehlender Beigaben war aufgrund der nur noch schwach ausgeprägten Grabgrube, die zudem von einem mittelalterlichen Pfostenloch geschnitten wurde, ein urgeschichtliches Alter sehr wahrscheinlich. Deshalb wurde das teilweise freigelegte Grab umgehend mit einer Gipsmanschette gesichert und als Block geborgen, um die weiteren Untersuchungen im Labor vornehmen zu können. Da aus dem östlichen Mecklenburg-Vorpommern mit dem spätmesolithischen Grab von Rothenklempenow eine weitere vergleichbare Hockerbestattung bekannt ist, wurde eine entsprechende Datierung des Neufundes für möglich erachtet. Deshalb wurde vom Landesarchäologen D. Jantzen und der zuständigen Dezernentin E. Schanz das ZBSA in die Beratung über das weitere Vorgehen einbezogen.

Friedland, MST 25 - Hocker 1

Abb. 1: Die im Bereich der slawischen Siedlung aufgefundene bronzezeitliche Hockerbestattung. Blick von Nord (Foto B. Schmidt, LAKD M-V, Copyright LAKD M-V).

Dabei wurde entscheiden, zunächst einige bei der Blockbergung nicht erfasste Fußknochen für eine 14C-Datierung zu nutzen, um das tatsächliche Alter festzustellen. Diese Probe wurde als Schnelldatierung vom ZBSA beim Leibniz-Labor der CAU Kiel in Auftrag gegeben und dort unter der Nummer KIA 43690 erfasst. Die Messungen ergaben ein 14C-Alter von 3194 ± 32 BP, was einem kalibrierten Kalenderalter bei 1494 - 1438 cal BC bei 68,3 % bzw. 1519 – 1414 cal BC bei 95,4% Wahrscheinlichkeit entspricht. Damit war klar, dass die Hockerbestattung von Friedland Fpl. 25 zwar urgeschichtlich, aber nicht - wie für möglich erachtet - mesolithisch zu datieren ist.

Friedland MST 25 - Hocker 2

Abb. 2: Die im Bereich der slawischen Siedlung aufgefundene bronzezeitliche Hockerbestattung. Blick von Ost (Foto B. Schmidt, LAKD M-V, Copyright LAKD M-V).

Stattdessen fügt sie sich mit ihrem bronzezeitlichen Alter in eine Gruppe von Sonderbestattungen in Siedlungsarealen ein, die vornehmlich weiter südlich in Zusammenhang mit dort verbreiteten Lausitzer Kultur bekannt geworden sind. Mit Vietzen Fpl. 17, Altkreis Müritz und Wustrow Fpl. 11, Lkr. Mecklenburg-Strelitz, wurden kürzlich von W. Blume und J. Ulrich zwei ähnliche im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern bekannt gewordene, nur geringfügig jüngere Befunde vorgestellt.

Friedland MST 25 - Hocker Datierung

Abb. 3: Die Datierung des Friedländer Hockers im Vergleich zu den Siedlungsbestattungen Wustrow und Vietzen. Angaben in kalibrierten Kalenderjahren. Mögliche ernährungsbedingte Reservoireffekte sind nicht berücksichtigt (Grafik H. Lübke, ZBSA).

Bei allen drei Bestattungen ist außerdem der hohe 13C-Gehalt in den Knochenproben auffällig, der d13C-Wert des Friedländer Hockers beträgt immerhin -14,37 ± 0,11. Wäre das Grab nahe an der Küste gefunden worden, wäre dieser Wert zunächst als Hinweis auf eine starke marine Komponente in der Ernährung des Individuums gewertet worden. Da das Grab aber aus dem Binnenland stammt und die Art der Sonderbestattung zudem eher südliche Einflüsse andeutet, käme als alternative Erklärung eine Ernährung in Betracht, die vor allem auf Hirse beruht. Im Gegensatz zu den bekannten Getreidearten betreibt Hirse eine C4-Photosythese, was ebenfalls zu erhöhten 13C-Werten in der organischen Substanz führt. Zwar ist Hirse als Beifund bereits seit dem Neolithikum bekannt. Größere Bedeutung erlangt sie in Norddeutschland nach bisherigem Kenntnisstand aber erst im Verlauf der jüngeren Bronzezeit. Für sichere Aussagen in Bezug auf die Friedländer Hockerbestattung wäre eine Untersuchung weiterer stabile Isotopen, insbesondere Stickstoff, erforderlich. Sollte durch diese Messungen die Annahme eines überwiegenden Hirsekonsums bestätigt werden, dann wäre dieses der bislang älteste indirekte Beleg für einen intensiven Hirseanbau im östlichen Norddeutschland bereits in der Mittleren Bronzezeit.

 

Literatur:

W. Blume u. J. Ulrich (2009). Bronzezeitliche Siedlungsbestattungen aus Wustrow Fpl. 11, Lkr. Mecklenburg-Strelitz und Vietzen Fpl. 17, Kreis Müritz. Archäologischen Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern 16, 2009, 38-41.

H. Luebke (2012). Eine urgeschichtliche Hockerbestattung in Friedland, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Mecklenburg-Vorpommern. ZBSA Jahresbericht 2011, 55.

 

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