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Funktion und Bedeutung der Eliten für die kulturellen Veränderungen im 2./3. Jh. an der Nordseeküste (abgeschlossen)

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Dr. Marzena J. Przybyła

Projekt im Rahmen des Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, Schleswig und Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn.

 

Umriss der Problematik

Die Jütische Halbinsel spielte in der Vorgeschichte in Hinsicht auf ihre spezifische geographische Lage eine bedeutende Rolle. Sie kann als natürliche Verbindung von Mittel- und Nordeuropa betrachtet werden, was sowohl die Land- als auch die Seewege betrifft. Von ihrem traditionellen, mit den naturellen Gegebenheiten bedingten Verlauf geben zum Teil die mittelalterlichen Schriftquellen eine Vorstellung. Dieses Gebiet war von Bedeutung sowohl für die Kommunikationsverbindungen, die über den Seeweg die südliche Nordseesüdküste entlang und weiter zur Küste Norwegens verliefen, als auch für die über Skagerrak und Kattegatt mit dem Westteil des Ostseegebiets etablierten Verbindungen. Die aus dieser Lage resultierenden Kontakte der die verschiedenen Regionen der Jütischen Halbinsel bewohnenden Bevölkerungsgruppen mit Populationen anderer Gebiete müssten eine Widerspiegelung in den archäologischen Quellen finden. Es ist weiterhin zu erwarten, dass sich manche für die Bewohner der Jütischen Halbinsel charakteristischen Kulturelemente auch in anderen Gebieten, welche die Kommunikationstraßen berührten, zu finden sind. Der Charakter und die Intensität dieser Kontakte waren in einzelnen Perioden von vielen Faktoren sowohl von regionaler als auch interregionaler Bedeutung bedingt. Sie beeinflussten die politische und wirtschaftliche Topographie sowie die gesellschaftliche Entwicklung dieser Gebiete.

Eine der interessantesten Perioden in der Vorgeschichte dieses Teils von Europa ist die jüngere Kaiserzeit (ca. 2. H. 2. Jh. bis Beginn des 4. Jhs. n. Chr.) – sowohl in Hinsicht auf die lokalen Umwandlungen, die hier und in den benachbarten Regionen stattfinden, als auch hinsichtlich der dadurch bedingten Etablierung neuer regionaler und überregionaler Kontaktnetze, in denen Jütland ein wichtiges Zwischenglied war. Am Beginn dieser Periode kam es in Jütland zu deutlichen Veränderungen, die in den Siedlungsstrukturen (Auflassung der bisher bestehenden Siedlungen ungefähr um die Wende der älteren zur jüngeren Kaiserzeit; das Ersetzen der großen Dörfer durch Einzelgehöfte), der Bauweise (Änderungen im Grundriss der Häuser), der Wirtschaft (Änderungen in der Anbauweise) und im Bestattungsritus (größere Rolle der Körperbestattung als bisher; das Aufgeben der größeren Gräberfelder und das Auftreten kleiner Nekropolen; die Reduzierung der Zahl der Gräber mit Bewaffnungselementen) sichtbar sind. Es lässt sich auch auf gewisse Symptome der geopolitischen Veränderungen in dieser Periode hinweisen. Ihr Zeugnis sind die mit den damaligen Eliten in Verbindung stehenden, neu gegründeten kleinen Nekropolen oder vereinzelt vorkommenden Bestattungen, die in den Regionen auftreten, in denen solche Bestattungen früher nicht vorkamen. Gleichzeitig treten Elitebestattungen nicht mehr in den Regionen auf, in denen sie in der vorherigen Periode fassbar waren.

Wegen der Komplexität und des Ausmaßes der genannten Veränderungen wird in der Literatur zumindest für den Mittelteil der Jütischen Halbinsel eine Besiedlungsdiskontinuität an der Wende der älteren zur jüngeren Kaiserzeit angenommen. Es mangelt jedoch an eingehenden Erklärungsversuchen für die Ursachen dieser Erscheinung. Gewisse Symptome der Diskontinuität in der Gräberfeldernutzung sind am Ende der älteren und am Anfang der jüngeren Kaiserzeit auch im südöstlichen Schleswig-Holstein nachzuweisen. Ähnliche Erscheinungen wurden auch weiter südlich im Unterelbegebiet beobachtet und hier mit der Abwanderung der Langobarden und mit den Markomannenkriegen in Zusammenhang gebracht.

Für die jüngere Kaiserzeit wurden in Jütland zwei Zonen herausgearbeitet – die sog. Nordgruppe, die die am Limfjord gelegenen Gebiete Thy, Mors, Vendsyssel und Himmerland umfasst, und die sog. Südgruppe, derer Südgrenze etwa eine zwischen Åbenrå Fjord und Tønder verlaufende Linie bestimmt. Einen etwas abweichenden kulturellen Charakter hat zu dieser Zeit das heutige Schleswig-Holstein. In Hinsicht auf die Keramikformen und den Bestattungsritus zeigt es stärkere Verbindungen mit dem Nordteil des elbgermanischen Kulturkreises und in seinem südöstlichen Teil mit Fünen. Im Falle der an der Nordseeküste gelegenen Gebiete wird auch auf Verbindungen mit den zwischen Unterelbe und Weser gelegenen Regionen und mit der südjütischen Gruppe hingewiesen.

 

Ziel des Projektes

Eine wichtige Quellengruppe, die wesentliche Angaben für die Rekonstruktion der Mechanismen der oben genannten Kulturumwandlungen bringen kann, stellen die sich durch Reichtum der Ausstattung auszeichnenden Gräber dar. In der jüngeren Kaiserzeit sind drei Hauptkonzentrationen der erwähnten Bestattungen zu registrieren, die sich am Limfjord (hier lassen sich einige weitere Anhäufungen herausstellen); an der Fanø-Bucht und 3) im Ostteil Mitteljütlands und in Gebieten mit deutlicher Besiedlungsverdichtung befinden. Südlich der Eckernförder Bucht ist noch eine Enklave reich ausgestatteter Bestattungen zu erkennen. Dem gegenwärtigen Forschungsstand nach scheinen die nord- und mitteljütischen Enklaven der Prunkgräber eine kulturell homogene Erscheinung darzustellen. Bisher wurden jedoch keine eingehenden Studien untergenommen, die die Problematik der regionalen Differenzierung dieser Bestattungen genauer ausgeleuchtet hätten, was teilweise auf den nicht ausreichenden Bearbeitungsstand dieser Bestattungen zurückzuführen ist. Sie wurden zwar in Studien zu Sozialstrukturen und Elitenkommunikation, sowie in den Arbeiten über die Kontakte des nordeuropäischen Barbaricums mit dem Römischen Reich berücksichtigt, ohne jedoch die lokale Spezifik der einzelnen Gebiete der Jütischen Halbinsel zu berücksichtigen.

Ziel des Projektes ist die Untersuchung der jütischen Prunkbestattungen als eine der Quellen, die zur Rekonstruktion der oben genannten Kulturumwandlungen um die Wende der älteren und jüngeren Kaiserzeit auf der Jütischen Halbinsel maßgeblich sind. Das wird erlauben, die Rolle der nord- und mitteljütischen Eliten als eines die interregionalen Kontakte stimulierenden Faktors zu bewerten. Die erste Etappe dieser Untersuchungen wird eine eingehende Analyse der drei erwähnten Gruppen reich ausgestatteter Gräber vor dem Hintergrund der ärmer ausgestatteten Gräber sein. Hier sei u.a. die Frage der gesellschaftlichen Stratifizierung und der Positionsgrundlagen der lokalen Eliten in den lokalen Gesellschaften genannt. Diese Analyse wird die Grundlage für die Bestimmung der Chronologie, der Intensität und des Charakters der Kontakte der nord- und mitteljütischen Gruppen mit den benachbarten Populationen von der südlichen Nordseeküste einerseits und den Gruppen im westlichen Ostseegebiet anderseits sein. Es sei auch auf die römische Importe aufmerksam gemacht, die als gemeinsamer Nenner für die Bewertung einzelner Aspekte dieser Kontakte dienen können. Die vergleichenden Studien zur Intensität des Auftretens römischen Imports in den einzelnen Regionen wird erlauben abzuschätzen, welche Rolle die nord- und mitteljütische Populationen in den überregionalen Netzwerken spielten, die den Zufluss dieser Güter ermöglichten. Anderseits helfen sie auch, die Rolle der genannten Verbindungen in den sozial-wirtschaftlichen Umwandlungen dieser Region zu bewerten.

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Projekt im Rahmen des Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, Schleswig und Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn.

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Humboldt-Stiftung

 
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