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Landschafts- und siedlungsarchäologische Studien zur Entwicklung des Spätmesolithikums im 7. und 6. Jt. v. Chr. in Norddeutschland (abgeschlossen)

Dr. Harald Lübke, Dr. Ulrich Schmölcke

Das komplexe Zusammenwirken von Mensch, Tier und Umwelt im Mesolithikum des westlichen Ostseeraums ist das archäologisch-naturwissenschaftliche Untersuchungsziel dieses Projektes, an dem neben H. Lübke und U. Schmölcke (ZBSA) vor allem S. Hartz (ALM) beteiligt ist. Als Kooperationspartner sind insbesondere I. Clausen (ALSH) und Th. Terberger, Universität Greifswald, zu nennen. Die Anschubfinanzierung erfolgte zunächst mit Mitteln des ZBSA bzw. ALM. Die Fortsetzung der Arbeiten erfolgt mit Mitteln der Gerda Henkel Stiftung.

Satrup LA 2: Feldsondierungen

Abb. 1. Satrup LA 2 - Feldsondierungen 2009 im Rahmen des Spätmesolithikumprojektes (Foto W. Lage, ALM).

Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf dem Mittelholozän, vor allem dem 6. und 7. Jt. v. Chr. In Norddeutschland ist dieser Zeithorizont bislang durch ein Konglomerat von unstratifizierten Inlandoberflächenfundplätzen gekennzeichnet, die sich am besten unter dem Oberbegriff Trapez- und Mikroklingenindustrien zusammenfassen lassen. Im südskandinavischen Raum bildete sich in dieser Zeit die Kongemose Kultur heraus, eine hochspezialisierte Küstenkultur mit starker regionaler Identität, die die marinen Ressourcen der in der Entstehung begriffenen Ostsee nutzte – also Nahrungsquellen, die für die weiter südlich im Binnenland lebenden Menschen nicht verfügbar waren.

Bislang sind kaum Einzelheiten über das Leben und die Umwelt der binnenländischen Jäger- und Sammlergemeinschaften bekannt geworden. Entsprechendes gilt auch für die Zusammensetzung der damaligen Wirbeltierfauna. Diese ist von besonderem Interesse, da Säugetiere, Vögel und Fische den Grundstock der menschlichen Ernährung bildeten. Deshalb sind die Niederungslandschaften und Moore des schleswig-holsteinischen Jungmoränengebietes der primäre Arbeitsraum dieses Projektes, denn dort liegen die Funde des Spätmesolithikums in Schichten, die ausgezeichnete Erhaltungsbedingungen für organisches Material wie Tierknochen und Pflanzenreste garantieren. Dadurch sollte es möglich sein, ein Mensch, Fauna und Flora umfassendes Gesamtbild der Umwelt des mittleren Holozäns zu erarbeiten und gleichzeitig ein tragfähiges chronologisches Gerüst für diese bislang vernachlässigte Epoche zu erstellen.

Die Feldarbeiten in Schleswig-Holstein werden durch Vergleichsstudien spätmesolithischer Inventare aus dem südwestlichen Ostseeraum ergänzt. Zudem ist eine Verknüpfung mit eigenständigen Projekten zur Erforschung des Mesolithikums im östlichen Baltikum vorgesehen.

2009 wurden Sondagen an verschiedenen durch Oberflächenabsammlungen oder Altgrabungen bekannten Fundstellen unternommen, deren gewässernahe Lage günstige Erhaltungsbedingungen auch für organisches Fundmaterial versprach. Dabei konnten im Fall der Fundstelle Satrup LA 2, Kr. Schleswig-Flensburg, entsprechende fundführende Schichten nachgewiesen werden.

Satrup LA2 - Ausgrabung 2010

Abb. 2: Satrup LA 2, Kr. Schleswig-Flensburg. Die Ausgrabung 2010 am Nordrand des Satrupholmer Moors. (Foto S. Hartz, ALM).

Weitere Sammlerbesuche und Ortsbegehungen zur Lokalisierung weiterer potentieller Fundstellen mit günstigen Erhaltungs-bedingungen für organisches Fundmaterial erfolgten in 2010 u.a. im mittleren und oberen Travetal östlich von Bad Segeberg sowie entlang der Krückau bei Elmshorn. Von besonderer Bedeutung war die Fortführung der Untersuchungen der Fundstelle Satrup LA 2, Kr. Schleswig-Flensburg. Aufbauend auf den Sondageergebnissen des Vorjahres konnte eine von der Gerda-Henkel-Stiftung unterstützte knapp 3-wöchige Ausgrabungskampagne durchgeführt werden.

Satrup LA 2 - Ausgrabung 2010 - 2

Abb. 3: Satrup LA 2, Kr. Schleswig-Flensburg. Blick auf die Ausgrabungsfläche (Foto S. Hartz, ALM).

Der Fundplatz Satrup LA 2 ist bereits Ende der vierziger und während der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts durch H. Schwabedissen untersucht worden und hat umfangreiches spät- und endmesolithisches Fundmaterial geliefert. Da aber von diesen frühen Ausgrabungen nur ein geringer Teil der Grabungsdokumentation erhalten geblieben ist, war das primäre Ziel der Grabungskampagne eine Klärung der Stratigraphie und der Erhaltungsbedingungen auf dem Fundplatz sowie eine Re-Lokalisierung der von H. Schwabedissen angelegten Grabungsschnitte. Dazu wurde eine ca. 20 m² große Grabungsfläche am Hangfuß einer bis an den nördlichen Rand des Satrupholmer Moores heranreichenden Moräne geöffnet und zusätzliche Suchschnitte mit einem Kleinbagger angelegt. Außerdem wurde das Umfeld der Ausgrabung durch Bohrungen mit Pürckhauer-Erdbohrstöcken auskartiert.

Satrup LA 2 - Ausgrabung 2010 - 3

Abb. 4: Satrup LA 2, Kr. Schleswig-Flensburg. Kernbeil in Fundlage (Foto S. Hartz, ALM).

Wesentliches Ergebnis der Ausgrabung war, dass in einem schmalen, wenige Meter breiten Streifen am Hangfuß unter dem rezenten Pflughorizont und einem Hangkolluvium ein intakter Oberboden erhalten war, in dem nicht nur Flintartefakte und Keramik, sondern auch Tierknochen bis hin zu Fischknochen konserviert waren. Da es um einen Ausschnitt des ehemaligen Siedlungsareals handelt und nicht um die Uferzone des damaligen Sees, war aber keine vertikalstratigraphische Lagerung der spät- und endmesolithischen Funde zu beobachten. Insgesamt deckt sich dieser Befund mit den überlieferten Angaben H. Schwabedissens, der in diesem Bereich eine nicht mehr genauer dokumentierte Feuerstelle freigelegt haben will. In dem nach Süden in Richtung des damaligen Sees angelegten Baggerschnitt nicht nachgewiesen werden konnte hingegen eine dem damaligen Wohnplatz zugehörige Abfallschicht in den angrenzenden Torf- und Muddeschichten, wie diese von dem früheren Ausgräber beschrieben wurde. Den Ergebnissen eines zweiten in Richtung Westen eingebrachten Baggerschnittes zufolge muss sich diese wohl eher in diesem Bereich befunden haben. Hier konnten auch ein Teil der Grabungsflächen aus den 1950er Jahren wieder aufgespürt und ihre Lage in den aktuellen Grabungsplan eingefügt werden.

Satrup LA 2 - Ausgrabung 2010 - 4

Abb. 5: Satrup LA 2, Kr. Schleswig-Flensburg. F. Feulner und W. Lage beim Dokumentieren der Grabungsprofile (Foto S. Hartz, ALM).

In einer weiteren 14-tägigen Grabungskampagne wurde 2011 eine zweite Fläche von 21m² Größe am Hangfuß der an das Niederungsgebiet angrenzenden Moränenkuppe geöffnet und zusätzlich insgesamt 26 m Profil eines in Richtung Niederung verlaufenden Baggerschnittes dokumentiert. Die dabei vorgenommen Beobachtungen bestätigten die bereits im Vorjahr gewonnenen Erkenntnisse zur Stratigraphie und zu den Erhaltungsbedingungen des Fundplatzes, so dass die Feldarbeiten damit zum Abschluss gebracht werden konnten.

Satrup LA 2 - Ausgrabung 2011 - 1

Abb. 6: Satrup LA 2, Kr. Schleswig-Flensburg. Die Ausgrabung 2011 am Nordrand des Satrupholmer Moors (Foto S. Hartz, ALM).

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass am Moränenfuß noch partiell intakte Kulturschichten des Siedlungsareals vorhanden sind. In diesem mit mächtigen Kolluvien bedeckten Areal sind sogar Geweih- und Knochenreste erhalten geblieben, zu denen auch eine 2011 geborgene vollständige Rothirschgeweihaxt gehört. Dieser Fund ist ein Hinweis darauf, dass die zahlreichen von diesem Fundplatz bekannten Geweihäxte auch aus diesem Bereich stammen dürften. Nicht lokalisiert werden konnte hingegen bislang die zur Siedlung gehörenden Uferzone (Abfallzone), da bei den Bagger- und Bohrsondagen im Umfeld des Fundplatzes keine Mudden, sondern überall flach anstehende Sande angetroffen wurden.

Satrup LA 2 - Ausgrabung 2011 - 2

Abb. 7: Satrup LA 2, Kr. Schleswig-Flensburg. Rothirschgeweihaxt in Fundlage (Foto S. Hartz, ALM).

Das Fundspektrum lässt den Schluss zu, dass mindestens 2 Besiedlungsphasen vertreten sind, nämlich eine spätmesolithische (Kongemose Kultur) und eine endmesolithsche (Ertebölle-Kultur) mit einem nach der Menge der Funde zu beurteilendem Besiedlungsschwerpunkt im Spätmesolithikum. Problematisch ist bislang allerdings eine genauere Datierung dieser beiden Besiedlungsphasen, da die für eine AMS-Datierung ausgewählten Tierknochen kaum Kollagen enthielten und somit keine oder nur unzuverlässige Datierungsergebnisse lieferten.

 

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In Cooperation with

Dr. Sönke Hartz, ALM (Projektleitung)

Ingo Clausen M.A., ALSH

Prof. Dr. Thomas Terberger, Universität Greifswald

Funded by

Gerda Henkel Stiftung

Projekt „Innovationen und Technologietransfer - Interkulturelle Verbindungen zwischen Mittlerem Transural und Ostseegebiet in der Mittelsteinzeit“

Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf
Dr. Sönke Hartz, Schleswig
Dr. Harald Lübke, Schleswig
Dr. Ulrich Schmölcke, Schleswig
Prof. Dr. Thomas Terberger, Greifswald