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Militärische Ausrüstungsbestandteile aus dem Thorsberger Moor (abgeschlossen)

Dr. Suzana Matešić

Zeugnisse römisch-germanischer Kontakte

Einen wesentlichen Anteil im Fundgut eines Kriegsbeuteopfers nehmen naturgemäß Waffen und andere militärische Ausrüstungsbestandteile ein. Aufgrund der limitierenden Überlieferungsfaktoren durch den vorherrschenden sauren pH-Wert, entfallen in Thorsberg jedoch wichtige Objektgruppen wie Speer- und Lanzenspitzen für feinchronologische Studien. Daher muss im Hinblick auf eine chronologische und typologische Einordnung des Materials eine Fokussierung auf Schwert- und Schildbestandteile aus Kupferlegierung und Edelmetall vorgenommen werden.
Im Gesamtbild zeichnet sich ab, dass nur vereinzelte Funde einer frühen Deponierung in C1a zugewiesen werden können, während der Großteil der Fundstücke in die Periode C1b datiert und nur einige jüngere Funde der Periode C2/C3 zugeordnet werden können.

Helm aus dem Thorsberger Moor

Im Gegensatz zu den anderen Fundgruppen fällt unter den Militaria und insbesondere bei den Schwertbestandteilen ein großer Anteil an Objekten provinzialrömischer Provenienz auf. So nehmen die römischen Funde unter den Schwertriemenbügeln einen Anteil von ungefähr 20 % ein. Leider kann nicht immer eine genaue Aussage bezüglich der Herkunft getroffen werden. Deutlich wird diese Problematik bei einer Betrachtung der Thorsberger Ortbänder. Nicht nur originär provinzialrömische Ortbänder wurden genutzt. Römische Typen wurden sowohl kopiert als auch nach germanischem Kunstempfinden adaptiert, so dass letztlich eigenständige germanische Typen entstanden. Einteilig gegossene Ortbänder mit germanischen Verzierungselementen belegen, dass auch die römische Gusstechnik von germanischen Handwerkern übernommen worden war. Sogar Schwertriemenbügel, die auf den ersten Blick ganz klar zu unterscheiden sind in provinzialrömische und germanische Typen, offenbaren auf den zweiten Blick römische Einflüsse in Form von motivischer Adaption.

Neben Bestandteilen von Angriffswaffen finden sich unter den Thorsberger Funden auch Teile von Körperpanzerung, wie etwa mehrere Stücke von Kettenhemden, oder auch Helme, die für das Barbaricum äußerst ungewöhnliche Funde darstellen, in Thorsberg jedoch mit mindestens drei Exemplaren belegt sind. Besonderes Augenmerk verdient der germanische Helm aus Silber, dessen technische Merkmale auf römische Maskenhelme als Vorbilder verweisen.
Das Aufkommen von Schildbuckeln mit halbkugeliger Kalotte im germanischen Raum lässt sich auf römischen Einfluss zurückführen. Als Unterscheidungskriterium und Indiz für provinzialrömische Provenienz gelten konzentrische Rillen, die von einer Oberflächenbearbeitung auf der Drehbank herrühren. Jedoch muss dieses Kriterium neu bewertet werden, da ein Reitnagelpunkt auf einem offenbar germanischen Schildbuckel als Hinweis für den Einsatz einer Drehbank im germanischen Handwerk anzusehen ist, falls nicht noch ausgeschlossen werden kann, dass es sich um einen überarbeiteten römischen Schildbuckel handelt.

Es wird deutlich, dass eine zentrale Fragestellung bei der Bearbeitung der Militaria verbunden ist mit der Provenienz der Funde und ihrer ehemaligen Besitzer. Im Hinblick auf die römischen Funde rücken römisch-germanische Beziehungen in den Vordergrund. Insgesamt betrachtet sind die C1b-zeitlichen Thorsberger Funde als Beleg für einen römisch-germanischen Mischhorizont zu werten.

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