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Forschungen an organischen Fasern – eine seltene Artefaktgruppe (abgeschlossen)

Dr. Elena A. Nikulina

Tierhaare und Pflanzenfasern aus archäologischem Zusammenhang sind eine seltene, aber interessante Fundgruppe. Generell gibt es deshalb wenig Erfahrung bei der Artbestimmung. Eine Ausnahme ist die Textilforschung, die sich aber in erster Linie mit der Analyse von Schafhaaren beschäftigt. Das ZBSA hat in den letzten Jahren begonnen, eine inzwischen international nachgefragte Expertise zur Bestimmung organischer Fasern aufzubauen.
Methodisch erfolgt die Analyse über den Einsatz unterschiedlicher Typen von Elektronenmikroskopen sowie mittels Lichtmikroskopie. Parallel wird auch versucht, die genetische Bestimmung von Tierhaaren zu verbessern, dies ist jedoch methodisch zweitrangig, denn in vielen Fällen ist der Versuch einer aDNA-Amplifikation aus Haaren aussichtslos.

Tierhaar unter dem Elektronenmikroskop

Tierhaar unter dem Elektronenmikroskop

Abgeschlossen werden konnte bereits eine Veröffentlichung zu frühmittelalterlichen Tierhaaren aus dem slawischen Siedlungsgebiet Mitteleuropas (im jüngsten Band der Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg). Daraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung für Funktionelle Morphologie und Biomechanik unter Leitung von Prof. Dr. Stanislav N. Gorb an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Sie ermöglichte es, auch weitere Fasern aus archäologischem Kontext durch eine Verbindung lichtmikroskopischer, elektronenmikroskopischer sowie fluoreszenzmikroskopischer Verfahren in Kombination mit den genetischen Methoden zu bestimmen. Auf diese Weise wurden Analysen an einem spätmesolithischen Fellfund aus Litauen, der sich als Pfropfen diente und in der Öffnung eines Keramikgefäßes in situ befand, durchgeführt (Dr. Gytis Piličiauskas, Litauisches Institut für Geschichte). Die Fasern einer außergewöhnlich dünnen Schnur aus einem Grab der Römischen Kaiserzeit (Dr. Babette Ludowici, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover) haben wir ebenfalls in Kiel mikroskopisch analysiert. Zu nennen ist auch eine methodisch interessante Haarprobe aus mittelalterlichen Gerbereiabfällen (Ute Bartelt, Stadtarchäologin Hildesheim). Abschließende Resultate sind für Publikationen im Jahr 2015 vorgesehen. Ebenfalls in den Bereich Grundlagenforschung gehören Tests verschiedener genetischer Verfahren mit dem Ziel, bestimmte Pflanzenarten mittels aDNA in Seesedimenten nachzuweisen (Dr. Dirk Enters, Dr. Steffen Wolters, Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung).

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